Dienstag, 1. April 2014

Eintauchen, entspannen, genießen - Bella Ischia

Eine Woche Sonne tanken!!!,  war unser Plan in diesem März. Natürlich kommt für uns nur Aktivurlaub in Frage, gegen bisschen Wellness am Abend wäre jedoch nichts einzuwenden. Also das optimale Ziel für uns: Ischia im Golf von Neapel mit wunderbar warmen Thermalquellen, Bergeshöhen, Fumarolen und verwunschenen Wanderwegen.
Und da das Wetter dort im März schon sehr sonnig und warm ist, kamen wir mit einer gemeinsamen Reisetasche aus...
Bei der Zwischenlandung in Stuttgart begaben wir uns zum Anschlussflug nach Napoli zum Airportbus, der uns zum Flughafenrand fuhr. "Guck mal, die alten Propellermaschinen!" rief Heinrich begeistert. "Das sind ja Museumsstücke. Haha, dass so was noch fliegen soll!" Wir lachten beide über die hübsch angemalten Air-Berlin-Maskottchen,  und die romantisch anmutende Technik des letzten Jahrtausends.
Und dann hielt der Bus. Wir lachten nicht mehr. Wir kletterten die Leiter rauf und duckten uns, um in die kleine Maschine zu steigen. Es wollten wohl im März nicht so viele Leute nach Napoli...

Alles war gut, als das Maschinchen uns in Napoli absetzte und der Transfer zum Hafen klappte reibungslos. Die Nachmittagssonne wärmte uns auf der Fähre und nach 2 Stunden stiegen wir voller Vorfreude im Porto von Ischia aus.
In der Nähe des Hafens befand sich auch unser Hotel (Bellevue). Wunderbar, wir begaben uns unverzüglich mit Badekleidung, Handtüchern und Bademänteln in die hoteleigene Therme. Eintauchen, entspannen, genießen, das sollte diesmal das Motto unseres Urlaubs sein.

Abendessen. Die Kellner waren freundlich und kooperativ, sie verbogen für uns die Speisekarte in Richtung vegetarisch, was sie in letzter Zeit wohl immer öfter mit Gästen erleben "mussten".  Es schmeckte himmlisch und ein ischianischer Barde spielte zum Menû und Rosé auf der Gitarre und sang laut und inbrünstig Ischialieder.


Vor dem Frühstück in die Therme, das ist Superwellness!
Nach dem Frühstück in die Laufschuhe, Heinrich in seine Sandalen. Und mit den Sandalen fing das ganze Elend an. Wir wollten ja, wie gesagt, Aktivurlaub machen, und dazu hatte ich auf der Karte bereits 1a Wanderrouten ausgearbeitet. Also liefen wir von Porto nach Casamicciola, dann weiter nach LaccoAmeno, weiter nach Forio, zwischendurch Abstecher in die Bergwand des Epomeo, auf der Suche nach einer ganz bestimmten Fumarole, die wir leider nicht fanden. Mittags zog sich dann der Himmel zu, erste Tropfen fielen, dann fielen viele Tropfen und nachmittags waren wir durchnässt und vom Winde verweht.
Den Rückweg durch die Berge fanden wir auch nicht - man muss dazu wissen: es gibt praktisch keine Wegbeschilderungen - und so eilten wir, um wenigstens das Abendessen nicht zu verpassen zur nächsten Fermata (Bushaltestelle). Glücklicherweise ist das Bussystem auf der Insel leicht durchschaubar und Fahrkarten hatten wir vorsichtshalber an einem Tabakgeschäft schon besorgt.
Nach 45 Min. Wartezeit und Zähneklappern - wir hatten die Hoffnung fast aufgegeben - kam dann unser Bus.
Alles war wieder gut - nur Heinrichs Füße... Er bewegte sich auf dem Heimweg zum Hotel auffällig. Da er grundsätzlich ein harter Typ ist (ich sag mal jetzt nichts dazu) rückte er erst in der Therme mit der Sprache raus, denn ich wollte wissen, warum wir seiner Meinung nach neuerdings Fahrstuhl fahren sollten.
DREI dicke Blasen verteilten sich an den wichtigsten Stellen seiner Fußsohlen.
Ok, wir nahmen ab jetzt den Lift.
Das war auch für mich in Ordnung, denn die anderen Gäste sahen ja, dass ich einen stark Gehbehinderten begleitete.

Jeder andere Mensch hätte nun für ein paar Tage die Füße hochgelegt, nicht so Heinrich. Damit der Aktivurlaub nicht zum Erliegen käme, wollte er auf den Blasen weiterlaufen. Da zeigt sich tatsächlich etwas von echter Leidensfähigkeit! Nee, das konnte ich nicht mitansehen! Ich spendierte meinem Gehbehinderten die eigenen superweichen Einlegesohlen aus meinen Laufschuhen.
Eine Abkürzung mit dem Bus nach Fontana gönnten wir uns aufgrund der Fuß-Situation, dann gab es aber kein Erbarmen mehr: wir erstiegen in Rekordzeit den Epomeo - denn es begann immer heftiger zu regnen und schließlich zu hageln und zu schneien. Der Gedanke an einen heißen Cappuccino am Kaminfeuer in der Gipfelgaststätte gab uns Kraft und Glauben.
Die über Nacht auf der Heizung getrockneten Sachen waren längst wieder regengetränkt und durch meine Laufschuhe floss Wasser.
Der Aufstieg war fast unmöglich, denn der sonst trockene Fels-Hohlweg war zum Bachbett geworden. Eigentlich hätten wir es wissen müssen: Kein Koch oder Kellner kraxelt unter solchen Umständen zu seinem Arbeitsplatz hinauf, jedenfalls nicht in Italien. Eigentlich waren wir die Einzigen Aktivurlauber an diesem unwirtlichen Ort.
Und wir blieben es. Die Gaststätte war geschlossen, der Wind heulte so bestialisch um den Gipfel, dass wir uns sofort an den Abstieg machten, auf der anderen Bergseite, in Richtung Hoteltherme und Menûkarte. Wir schwammen quasi im Bachbett hinab.
Nichts erzeugt solche Glücksgefühle, wie ein warmes Thermalbad nach diesem Tag. Eintauchen, entspannen, genießen, da war es wieder! Ich war allerdings so durchgefroren, dass mir selbst die türkische Sauna zu kalt war an diesem Abend...

Wir gaben jedem Tag eine neue Chance. Ausgestattet mit inzwischen drei Schichten Einlegesohlen kämpfte sich Heinrich mit Erfolg durch unseren Wellnassurlaub. Die neu dazu gekommene Riesenblase unter seiner Verse übernahm jetzt die Schmerzerzeugung der drei, fast abgeheilten Kollegen im Vorderfußbereich....

Es regnete nicht mehr durchgehend, so dass unterwegs auch mal für kurze Momente die Sonne zwischen grauen Wolkenbauschen durchblitzte. Besonders blieb uns noch die Wanderung um den Monte di Vezzi in Erinnerung. In schwindelerregenden 300 Metern Höhe führte der Pfad über die Klippen am Steilhang der Bucht von Scarrupata.
Irgendein bekloppter Weinbauer hatte auf dem sowiso schon schmalen Weg eine Weinterrasse eingerichtet und eingezäunt, so dass der Weg nur noch 30 cm breit am Abgrund entlang führte. Der lange, steile Weg zurück kam für uns nicht infrage, wir waren ja froh, endlich oben zu sein. Außerdem sollte dahinter eine wunderbare Landschaft verborgen sein...
Also mussten wir da durch. Nur "gesichert" durch diesen Zaun aus alten, rostigen Metallbettgestellen, krallten wir uns Meter für Meter im pfeifenden Wind voran, bis das Terrain nach endlos erscheinender Zeit und viel Geschrei von Heinrich, der mich für wahnsinnig erklärte, weil ich in dieser Situation ein Erinnerungsfoto machen wollte, endlich sicherer wurde.
Auch dieser Aktivtag endete schließlich mit maximalen Glücksgefühlen: eintauchen, entspannen, genießen (dass man noch lebt) und Menûkarte und Rosé.
Dass wir grundsätzlich tagsüber nichts aßen, steigerte die Freude über den Anblick des Antipasti-Buffets enorm...

Ein weiterer Wander-Höhepunkt war der Weg durch die Falanga. Ein Kastanienwaldgebiet, in dem ein Höhlenhaus neben dem anderen steht, Felszisternen noch heute intakt sind und rätselhafte steile, uralte, gemauerte Gruben die Phantasie gruselig anregen. In der Dämmerung sollte man hier nicht spazieren gehen. Die Gruben sind immer rund, senkrecht und bis zu ca. 7 Meter tief. Wer da hineinfällt, kann nicht mehr allein heraus!

Einige Ziele sind mangels Zeit immer noch offen geblieben: die Fumarole bei Forio, die Sorgeto-Bucht mit ihren natürlichen Thermalquellen am Strand, die Quelle in den Felsen unterhalb von Panza, und in S.Angelo waren wir noch immer nicht! Also genug "Stoff" für einen weiteren Aktivurlaub auf der Wellnessinsel Ischia!

Kommentare:

  1. Hallo Astrid ein toller Reisebericht, doch Blasen braucht kein Mensch im Urlaub. Wie schön das ihr trotzdem aktiv ward.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  2. Ja, wir versuchen immer, das Beste draus zu machen;-)
    LG Astrid

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